Beara Way – von Glengarriff nach Adrigole

Beara Way

BearaWay_Glengarriff_Adrigole

Etappe 1: Glengarriff – Adrigole

Ausgeschlafen und mit einem guten Frühstück gestärkt begann für uns die erste Etappe des Beara Way. Zunächst liefen wir von unserer Unterkunft ein Stück an der Straße zurück zum Einstieg in den Weg. Nach ein paar Minuten sahen wir auch schon das Wegweiser, von jetzt an mussten wir diesem eigentlich nur noch folgen. Der Weg folgte zunächst für ca 6 km einer kleinen Straße in ein grünes Tal hinein. Anfangs waren beide Seiten noch von Bäumen gesäumt und nur sehr selten wurde diese Reihe von einem Haus unterbrochen. Nach einer Stunde kamen wir an einem solchen Haus vorbei, im Vorgarten goss ein älterer Mann gerade seine Blumen und grüßte uns freundlich.

 

Der Beara Way beginnt

Bearaway_Irland_erste_Etappe

Die letzten Meter vor den ersten Anstieg.

Was wir in dem Moment noch nicht wussten, er war der letzte Mensch, dem wir auf den nächsten 11 km begegneten. Von da an sollten Schafe unsere einzigen Weggefährten sein. Nach kurzer Zeit sahen wir erneut den Wegweiser, diesmal mit einem Pfeil nach links. Er zeigte direkt auf einen Weg aus grobem Schotter, der scheinbar auf direktem Weg den Berg zu unserer Linken hinauf führte. Dank guter, bergtauglicher Schuhe und unserer Wanderstöcke, bewältigten wir diesen Anstieg und hatten von oben einen wunderschönen Ausblick in den Talkessel, der sich vor uns ausbreitete. Saftiges Grün und Schafherden. Und die letzten großen Wolken hatten sich inzwischen auch aufgelöst, nur noch vereinzelt schwebten kleinere Wölkchen am Himmel.

Wegweiser

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Leicht zu übersehen, aber doch hilfreich – einer der Beara Way Wegweiser.

Nachdem wir ein paar Minuten vertieft in dieser Idylle standen, machten wir uns wieder auf den Weg. Immer den schwarz-gelben Schildern folgend, die an sporadisch in der Landschaft stehenden Holzpfosten befestigt waren. Zwischen den einzelnen Pfosten war kein richtiger Weg zu erkennen. Sie gaben eher grob die Richtung vor, in die man gehen muss. Dies lag aber wohl daran, dass wir zu Beginn der Saison auf dem Beara Way unterwegs waren und noch kein ausgetretener Pfad entstehen konnte. Wir folgten dem Bergrücken und versuchten herauszufinden wie der Weg wohl weitergeht.

Pause vor dem Pass

Glengarriff_Adrigole_Bearaway

Kraft tanken, bevor wir weiter dem Pass folgen.

In der Ferne konnte man erahnen, dass es zu einem Pass zwischen zwei Bergspitzen noch ein ganzes Stück nach oben ging. Ein Blick auf die Karte bestätigte uns dann auch, dass wir erst die Hälfte der ca 600 Höhenmeter erreicht hatten. Daraufhin beschlossen wir uns erst mal bei einem kleinen Picknick zu stärken. Inmitten der durch Steinfelder unterbrochenen Wiesen und umgeben von neugierigen Schafen aßen wir eine Kleinigkeit und ruhten uns danach für den bevorstehenden Anstieg aus.

Saftiges Grün

harter_Anstieg_Beara_way

Matschige Wiesen und raues Gestein soweit das Auge reicht.

Als wir weitergingen folgte der Weg zunächst noch dem Bergkamm und führte uns nur mit geringer Steigung auf unser Ziel zu. Je näher wir dem finalen Anstieg jedoch kamen, umso steiler erschien er uns. Auch änderte sich der Untergrund ein wenig, als das Gelände steiler wurde. Wir befanden uns jetzt inmitten von saftigen, grünen Wiesen. Und das Wort saftig darf man hier wirklich wörtlich nehmen. Bei jedem Schritt drückte sich Wasser aus dem durchnässten Boden und machte das Laufen noch anstrengender als es aufgrund der Steigung eh schon war. Dabei hatte es die letzten Tage fast gar nicht geregnet. Wir wollten uns gar nicht vorstellen, wie matschig es hier sonst wäre. Zum Glück ragten doch einige Steine oder gar größere Steinfelder aus dem Grasboden hervor und boten hin und wieder ein paar Meter trockenen Weg. Der Hang war inzwischen so steil, dass wir in Serpentinen hinauf liefen. Ein direktes Gehen auf die Wegmarkierung zu war nicht mehr möglich. Hin und wieder legten wir eine kurze Pause ein und genossen die phantastische Aussicht, die sich uns beim Zurückschauen bot.

Meerblick

Meerblick_Bearaway_erste_Etappe

Die wundervolle Aussicht hat oft geholfen nicht aufzugeben.

Von dieser Höhe aus war der Blick inzwischen frei auf das Meer, Glengarriff und den National Forrest. Aber wir durften nicht zu lange verweilen, inzwischen war es schon Nachmittag und wir hatten nicht einmal die Hälfte der Strecke bewältigt. Wir kämpften uns also weiter den Berg hinauf. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir endlich am Pass an. Ein unglaublich gutes Gefühl. Wir stellten unsere Rucksäcke erst einmal ab und genossen den Moment. Ab hier sollte es deutlich einfacher werden.

Auf nach Adrigole

Adrigole_Beara_way_Schaf_Irland

Echt irischer Begleiter auf dem Weg nach Adrigole.

Nach kurzer Pause machten wir uns dann an den Abstieg nach Adrigole. Dachten wir jedenfalls. Zunächst ging es leicht bergab auf eine sumpfige Wiese. Wir sprangen von Stein zu Stein und testeten mit dem Wanderstock immer wieder wie fest der Boden vor uns war. Nach kurzer Zeit kamen wir an einem kleinen See vorbei, hier wurde der Weg stellenweise noch sumpfiger als er ohnehin schon war. All das machte das Laufen sehr anstrengend und wir kamen nur langsam voran. Aber es kam noch schlimmer. Nach den wenigen hundert Metern bergab lag erneut ein Anstieg vor uns. Er war bei weitem nicht so steil wie der zuvor, wirkte aber trotzdem sehr demotivierend auf uns.

Zelt aufschlagen?

Wir überlegten zwischenzeitlich sogar, ob wir hier oben unser Zelt aufschlagen und erst morgen weitergehen sollten. Aber erstens war es dafür eigentlich noch viel zu früh und zweitens war es auch gar nicht so einfach hier einen vernünftigen Zeltplatz zu finden. Entweder war der Boden flach, dann aber weich und durchnässt, oder er war etwas trockener, dafür dann aber sehr schräg. Schafscheiße lag eh überall herum, so dass dies für einen eventuellen Standort kaum ausschlaggebend war. In diesem Moment waren wir froh, dass wir für unser Zelt ein Groundsheet hatten, dann würde man sich wenigstens nicht das ganze Zelt einsauen.

Erneuter Aufbruch

Wir verwarfen unsere Campingpläne und beschlossen weiterzugehen. Der Weg verlief mehr oder weniger auf dem Bergkamm und machte somit auch fast jeden Höhenunterschied mit. Nach ca 3,5 km Auf und Ab kamen wir an eine Kreuzung. Auf einem Schild war der Weg nach rechts als Emergency Exit des Beara Way gekennzeichnet. Wir schauten auf unsere Karte und sahen, dass wir von hier aus zwei Möglichkeiten hatten.Wir konnten den Emergency Exit nehmen, welcher flacher war und über eine befestigte Straße verlief, aber auch fast doppelt so lang war, oder dem eigentlichen Beara Way folgen, weiter über nasse Wiesen bergauf und -ab laufen und hoffen, dass der eigentlich Abstieg bald beginnen würde.

Bergab nach Adrigole

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Von diesen „Stufen“ mussten wir einige hinabsteigen.

Wir spekulierten darauf, dass der Weg sich bald bessern würde und blieben auf dem Beara Way. Nach kurzer Zeit merkten wir, dass wir recht behalten sollten. Wir stiegen einen letzten kleinen Hügel hinauf und hatten plötzlich freie Sicht auf Adrigole! Von hier aus konnte es nur noch bergab gehen. Durch diese Tatsache motiviert, lief es sich auf einmal auch viel leichter und wir kamen gut voran. Der Weg war verhältnismäßig gut, nur ein paar größere Stufen galt es hinabzusteigen. Leider hatte sich inzwischen aber nicht nur der Weg, sondern auch das Wetter geändert.

Wetterumschwung

Aus dem strahlenden Sonnenschein des Vormittags war inzwischen ein bedeckter Himmel mit dunklen Wolken geworden und nach etwa der Hälfte des Abstiegs fing es an zu regnen. Unsere Befürchtungen, dass aus dem Weg doch noch eine schlammige Rutschbahn werden könnte, bestätigten sich zum Glück nicht, es blieb bei einem leichteren Schauer. Wir tauschten also schnell unsere Sonnenbrillen gegen Regenjacken und liefen weiter. Ein paar hundert Meter vor uns konnte man ein paar Häuser sehen. Endlich erreichten wir wieder die Zivilisation!

Am Ende der Kräfte

Der Weg wechselte von einem Pfad zu einer asphaltierten Straße, auf der es sich viel einfacher laufen ließ. Doch wir freuten uns zu früh. Zwar war der Untergrund jetzt besser, dafür ging es erneut bergauf. Auf der Hälfte der Steigung war der Punkt erreicht an dem die Lust weiterzulaufen fast den Nullpunkt erreichte. Wir machten noch einmal eine kurze Pause, setzten uns auf den Boden und verfluchten den Weg, diesen scheiß Berg und alles Andere drum herum auch. Ein kurzer Blick auf die Karte verriet uns aber, dass es nur noch ca 1,5 km zum Campingplatz waren. Also rafften wir uns auf und liefen weiter.

Campingplatz in Sicht

HungryHill_Camping_Adrigole

Hungry Hill Lodge und Camping

Wir verließen die Straße nochmals für ein paar hundert Meter Pfad, der uns direkt nach Adrigole führte. Von hier aus waren es nur noch ca 300 m zum Campingplatz. Erschöpft, aber froh, dass wir es geschafft hatten, bauten wir unser Zelt auf und bereiteten das Abendessen vor. Die Sonne stand inzwischen auch schon tief und wir freuten uns auf unseren Schlafsack und darauf den Tag ruhig ausklingen zu lassen.

Schreckmoment

Doch beim Zusammenlegen unserer Regenjacken fiel Silke auf, dass ihre Sonnenbrille nicht mehr in der Innentasche war, in die sie sie gesteckt hatte, als es anfing zu regnen. Da es sich bei der Sonnenbrille um eine mit Sehstärke handelte, die erstens teuer war und zweitens auch nicht so ohne weiteres hier ersetzt werden konnte, stellten wir das ganze Zelt auf den Kopf, durchsuchten alle Taschen, fühlten ob sie eventuell unterm Zelt liegt, liefen die Umgebung ab, aber fanden nichts. Verdammt! Es war jetzt schon zu dunkel, um den Weg nochmal zurückzulaufen. Wir beschlossen also erst am nächsten Morgen die ca drei oder vier Kilometer abzusuchen. Zur Not müssten wir halt noch einen Tag in Adrigole bleiben und erst einen Tag später weiterziehen.

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